Wildbienenhaus mit Dachbegrünung

Eintrag in das Gartentagebuch 2018

Nein, es ist bestimmt nicht so, daß man sich an die Anwesenheit eines Fernsehteams im eigenen Garten gewöhnt.

Aber: Hatte mich der Besuch des Teams vom Bayrischen Rundfunk vor zwei Jahren noch in arge Nöte gebracht, habe ich den Termin im Frühling 2018 zwar etwas entspannter auf mich zukommen sehen, aber die Nervosität war natürlich immer noch riesengroß.

Wäre aber gar nicht nötig gewesen, denn der Tag verlief recht unaufgeregt.

Bei strahlendem Sonnenschein parkte der blaue BR-Bus schon ab 9:00 Uhr vor unserer Türe.

Der Kameramann, die Regisseurin Julia Schade, ein Beleuchter und eine Tonassistentin zogen mit viel Technik in meinen Garten ein.

Dieses Mal ging es um den Bau eines Wildbienenhauses und um dessen Bepflanzung.

Wie sich schon bald zeigte, war für den Bau des eigentlichen Hauses weniger Zeit reserviert. Das BR-Team interessierte sich eher für die Beschickung des Hauses mit Nistmaterial, das von den Wildbienen besonders gerne angenommen/besiedelt wird. Ich habe in den letzten Jahren sehr gute Erfahrungen mit getrockneten Brennnessel-Stängeln gemacht, die mit einer scharfen Schere abgeschnitten werden müssen, denn ausfransende Pflanzenfasern an den Schnittkanten würde die Bienen irritieren.

Mehr Zeit war für die Bepflanzung des Daches eingeplant.

Während ich das Material für den nächsten Dreh herrichtete, zog das Team durch den Garten. Hier ein Halt und dort ein Halt. Zu meinem großen Bedauern aber nie an den Stellen, die mir selbst am fotogensten und interessantesten erschienen.

Aber so ist es eben: Jeder hat seine eigene Konzeption und Vorstellung von dem was schön und sehenswert ist, und das ist ja auch gut so.

Schließlich wurde das Dach bepflanzt. Zuerst mußte der Untergrund hergerichtet werden.

Der Wasserabzug ist für das Gedeihen der Pflanzen von großer Bedeutung. Die Neigung des Daches kommt den Bemühungen zwar entgegen aber man muß auch für den Ablauf des Wassers sorgen. Deshalb wurde die Dachrinne mit Kieselsteinen gefüllt und mit einem leichten Vlies abgedeckt. Auf diese Weise wird sichergestellt, daß die Drainage auch langfristig funktioniert. Ohne Vlies könnte das Erdreich die Rinne verstopfen und Staunässe ist für die Pflanzen tödlich.

Dann wurde die Bodenmischung aufgebracht und vor allem mit Sempervivum (Hauswurz) und Jovibarba (Donarsbart oder auch Fransenhauswurz) bepflanzt. Wichtig sind für mich aber auch die Steine, die zum Einsatz kommen. Ein ganzes Jahr über sammele ich Lesesteine mit einer gewissen „Patina“. Steine, auf denen sich Flechten und Moose angesiedelt haben, eben Steine mit Geschichte. Ich verwende sie als Deko-Material, aber auch als Auflage und Stabilisierung für das Wurzelwerk der Pflanzen. Denn, bis die Pflanzen in der Lage sind sich selbst festzuhalten, vergeht etwa eine Vegetationsperiode.

Damit war die Hauptarbeit des Drehtages erledigt.

Und wie es so ist: Aus der Arbeit eines ganzen Tages werden dann zum Schluß nur fünf bis sechs Minuten Material für eine Sendung. Vom „Kampf“, der am Schneidetisch, von der Qual der Wahl, kann ich nichts berichten; ich habe aber durchaus eine Vorstellung davon. Denn wie schwer fällt es einem doch, wenn man sich selbst von Bildern trennen muß, weil einfach kein Platz im Archiv oder auf einer Seite ist...?

Leben heißt entscheiden und entscheiden heißt verzichten. Aber ich gestehe es gerne: Auch auf den zweiten Aufnahmetage mit dem BR-Team würde ich gar nicht gerne verzichten...